Trichinella/Trichinellose

Die Trichinellose ist eine Krankheit, die durch eine Infektion mit Trichinella verursacht wird. Am häufigsten wird sie durch Trichinella spiralis verursacht. Trichinella kommt in vielen verschiedenen Tierarten vor und kann beim Verzehr von unzureichend gegartem Fleisch auf den Menschen übertragen werden. Nach der orale Aufnahme wird der Parasit durch die Verdauungsenzyme freigesetzt und vermehrt sich in den Epithelzellen des Dünndarms (enterale Phase). Die Weibchen vermehren sich und die jungen Larven wandern durch die Mukosa in den Blutkreislauf und befallen quergestreifte Muskeln (systemische Phase oder Migrationsphase). Symptome während der enteralen Phase können Durchfall Durchfall Durchfall (Diarrhö) und Erbrechen Erbrechen Erbrechen im Kindesalter sein. In der Migrationsphase können die Patient*innen systemische Symptome wie Fieber Fieber Fieber, Schüttelfrost, Myalgie und periorbitale Ödeme aufweisen. Zu den Komplikationen gehört ein Befall von Myokard und ZNS, was zu Myokarditis Myokarditis Myokarditis mit Herzrhythmusstörung und Enzephalitis Enzephalitis Enzephalitis führen kann. Die Diagnose kann durch eine serologische Untersuchung gestellt und durch das Vorhandensein von Zysten oder Larven in einer Muskelbiopsie bestätigt werden. Leichte Infektionen sind selbstlimitierend, während systemische Erkrankungen mit antiparasitären Medikamenten und Glukokortikoiden behandelt werden.

Aktualisiert: 26.06.2023

Redaktionelle Verantwortung: Stanley Oiseth, Lindsay Jones, Evelin Maza

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Allgemeine Merkmale

Eigenschaften des Erregers Trichinella

  • Nematode (Fadenwurm)
  • Intrazellulärer Parasit
  • Assoziierte Erkrankung: Trichinellose

Klinisch relevante Arten

  • Am häufigsten und weltweit verbreitet: Trichinella spiralis
  • Ursachen der Trichinellose:
    • Enkapsuliert (in den Muskeln des Wirts):
      • Trichinella britovi (Europa, Asien, Nord- und Westafrika)
      • Trichinella murelli (Nordamerika)
      • Trichinella nativa (Arktis)
      • Trichinella nelsoni (Ostafrika)
    • Nicht enkapsuliert:
      • Trichinella papuae (Papua-Neuguinea)
      • Trichinella pseudospiralis (weltweit)
      • Trichinella zimbabwensis (Tansania)

Epidemiologie

  • Weltweit treten jedes Jahr schätzungsweise 10.000 Fälle von Trichinellose auf.
  • In Deutschland:
    • Selten
    • Zwischen 2001 und 2011 wurden 63 Fälle gemeldet.
    • Altersspanne 3-68 Jahre (im Median 42 Jahre)
    • W=M
    • Keine räumliche oder zeitliche Häufung
    • Infektionsquelle meistens nicht identifizierbar
  • Hohe Prävalenz in:
    • China
    • Ehemalige Sowjetunion
    • Rumänien und andere Teile Mitteleuropas
    • Thailand
    • Mexiko
    • Argentinien
    • Bolivien

Pathophysiologie

Infektionsweg

  • Reservoirs:
    • Trichinella spiralis: Hausschwein (nicht bei im Handel erworbenen Schweinefleisch) und Wildschweine (Prävalenz in Deutschland 0,003 %)
    • Andere Tiere: Hunde, Katzen, Bären, Nagetiere, Pferde, Elche, Robben
  • Infektionsweg: rohes oder unzureichend gegartes Fleisch, das Larven enthält (sterben bei Erhitzen auf 70° C nach einer Minute)

Pathogenese

  • Die eingekapselten Larven leben in der quergestreiften Muskulatur des Wirtstieres (einige Arten sind nicht eingekapselt).
  • Die Larven werden durch den Verzehr von nicht ausreichend gegartem Fleisch aufgenommen.
  • Enterale Phase (ca. 20 Tage):
    • Nach Einwirkung von Magensäure und Pepsin werden die Larven freigesetzt.
    • Die Larven dringen in die Epithelzellen des oberen Dünndarms ein und entwickeln sich dann zu adulten Würmern.
    • Es kommt zur Paarung; Männchen sterben sehr schnell ab, Weibchen beginnen 4-7 Tage nach Infektion mit der Ablage von neuen Larven. Die Lebenszeit im Dünndarm Dünndarm Dünndarm beträgt etwa 2 bis 4 Wochen.
  • Systemische Phase/Migrationsphase:
    • Die Weibchen setzen Larven frei, die in den Blutkreislauf gelangen.
    • Die Larven wandern zu quergestreiften Muskeln.
    • Die Migration durch die Gewebe kann bis zu 1 Monat dauern und Symptome verursachen.
    • Bevorzugt werden sauerstoffreiche Muskeln (gut durchblutet):
    • Die befallene Muskelzelle wird zu „Ammenzelle“ transformiert. In ihr können Larven bis zu 30 Jahre überleben.
    • Nach etwa 6 Monaten verkalkt die Parasitenkapsel und später dann auch der Parasit selbst.
    • Sie können das Herzmuskelgewebe und das Gehirn erreichen und zu einer Entzündungsreaktion des Herzens und des Gehirns führen.
Lebenszyklus von Trichinella spiralis

Der Lebenszyklus von Trichinella spiralis beim Menschen:
Beim Menschen gibt es zwei Phasen: Die enterale Phase und die systemische Phase (die Larven gelangen in den Blutkreislauf und können Herzmuskel und Gehirn erreichen, was zu Entzündungsreaktionen am Herzen und im Gehirn führt).

Bild von Lecturio.

Klinik

  • Allgemeines:
    • Inkubationszeit: 1-6 Wochen
    • Die Schwere der Symptome hängt von der Menge der aufgenommenen Larven (Infektionsdosis) ab.
    • Zwei Phasen: enteral und systemisch
  • Enterale Phase:
  • Systemische Phase/Migrationsphase:

Komplikationen

Diagnostik

  • Meldepflichtig
  • Serologischer Nachweis:
    • In manchen Fällen erst nach 3 Wochen Inkubation nachweisbar
    • Antikörpernachweis mittels:
      • Western Blotting
      • ELISA
      • Indirekte Immunofluoreszenz
      • Latex-Agglutinationstest
  • Muskelbiopsie:
  • Bestimmung der Trichinella-Art mittels PCR
Trichinella spiralis Zyste

Trichinella-Spiralis-Zyste, eingebettet in eine Muskelgewebeprobe bei einem Fall von Trichinellose:
Trichinellose wird durch den Verzehr von unzureichend gegartem Fleisch erworben, das Zysten (Larven) des Parasiten enthält.

Bild: “10180” von Dr. I. Kagan. Lizenz: Public Domain

Zusätzliche Diagnostik

  • Laborbefunde:
    • Auffällige Parameter:
      • Bei 90 % mit symptomatischer Trichinellose: Eosinophilie
      • In Migrationsphase: ↑ Kreatinkinase (CK)
    • Zusätzlich:
      • Hypokaliämie
      • ↑ Aminotransferasen
      • ↑ Laktat-Dehydrogenase
      • ↑ Aldolase
      • Proteinurie bei Nierenbeteiligung
  • EKG EKG Normales Elektrokardiogramm (EKG) Veränderungen: T-Wellen Veränderungen, Überleitungsstörungen, ST-Senkungen
  • cCT: bei ZNS Beteiligung, kleine hypodense Areale
  • Röntgenbild: intramuskuläre Verkalkung

Therapie

Behandlung

  • Leichte Infektion: Die meisten Infektionen verlaufen ohne Komplikationen und sind selbstlimitierend.
    • Symptomatische Therapie
    • Bettruhe
    • Antipyretika und Analgetika
  • Schwerer Verlauf:
  • Exposition ohne Symptome:
    • Medikamentöse Prophylaxe: Mebendazol (innerhalb von 6 Tagen)
  • Prävention:
    • Gesetzliche Untersuchung auf Trichinella in Fleischbetrieben (Lücken möglich durch importiertes Fleisch)
    • Garen von Fleisch bei mindestens 70° C für 1 Minuten
    • Fleisch bei -15° C einfrieren (nur bei Schweinefleisch)

Prognose

  • Häufig selbstlimitierend
  • Vollständige Genesung innerhalb von 2–6 Monaten
  • Erhöhte Morbidität bei Beteiligung des Herzens oder des ZNS

Differentialdiagnosen

  • Gastroenteritis Gastroenteritis Gastroenteritis: Die enterale Phase der Trichinellose kann aufgrund der konstitutionellen GI-Symptome mit einer Lebensmittelvergiftung verwechselt werden: Virale und bakterielle Ursachen der Gastroenteritis Gastroenteritis Gastroenteritis müssen in Betracht gezogen und durch Anamnese, körperliche Untersuchung und Stuhlanalyse ausgeschlossen werden.
  • Myopathien: Autoimmunerkrankungen wie Polymyositis Polymyositis Polymyositis oder Dermatomyositis Dermatomyositis Dermatomyositis (DM) zeigen Myalgien und vaskulitisähnliche Symptome und Anzeichen, die den systemischen Anzeichen einer Trichinellose ähneln. Anders als bei der Trichinellose sind in diesen Fällen überwiegend die proximalen Muskelgruppen betroffen. Untersuchungen auf spezifische Autoantikörper wie Anti-Signalerkennungsprotein (Anti-SRP)-Antikörper und Anti-Mi2 helfen bei der Diagnose. Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Immunsuppressiva Immunsuppressiva Immunsuppressiva und Glukokortikoiden.
  • Ascariasis: Infektion, die durch den parasitären Spulwurm Ascaris lumbricoides verursacht wird: Die Übertragung erfolgt über die Aufnahme von kontaminiertem Wasser oder Lebensmitteln. Die meisten Patient*innen sind asymptomatisch. Treten Symptome auf, so können diese leicht sein und lediglich zu Bauchbeschwerden führen, oder sie können schwerwiegend sein und einen Darmverschluss verursachen. Andere Symptome, wie Husten, sind auf die Wanderung der Würmer durch den Körper zurückzuführen.
  • Hakenwurminfektion: verursacht durch die Helminthen Necator americanus und Ancylostoma duodenale: Die Patient*innen leiden an Eisenmangelanämie Eisenmangelanämie Eisenmangelanämie und Gedeihstörung Gedeihstörung Gedeihstörung. Zur Diagnose gehört die Untersuchung des menschlichen Stuhls auf Larven und Eier.
  • Strongyloidiasis Strongyloidiasis Strongyloidiasis: eine Krankheit, die durch den Fadenwurm (Nematode) Strongyloides verursacht wird. Die Strongyloidiasis Strongyloidiasis Strongyloidiasis hat verschiedene klinische Erscheinungsformen, darunter GI-Symptome und Eosinophilie. Die Diagnose erfolgt durch Serologie.

Quellen

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  3. Rawla, P., Sharma, S. (2020). Trichinella spiralis. StatPearls. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK538511/ (Zugriff am 2. April 2021).
  4. Riedel, S., et al. (Eds.). (2019). Medical parasitology. Jawetz, Melnick, & Adelberg’s Medical Microbiology, 28th ed. McGraw-Hill.
  5. Taher, E.E., et al. (2017). Modified dot-ELISA for diagnosis of human trichinellosis. Exp Parasitol 177:40–46. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28438521/.
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  7. Bundesinstitut für Risikobewertung. (2007). Trichinellose- Erkennung, Behandlung und Verhütung. https://www.bfr.bund.de/cm/350/trichinellose_erkennung_behandlung_und_verhuetung.pdf.
  8. Robert Koch Institut. (2013). Trichinellose. RKI-Ratgeber. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Trichinellose.html (Zugriff am 11. Juli 2022).